Oh man, Oman
3,5 Wochen… und ich dachte, das sorgt dafür, dass wir weniger viel im Auto sitzen, mehr rumlaufen, mehr genießen, mehr entspannen.
Im Oman befindet sich fast alles sehenswerte im Norden. Im Nordosten liegt Muskat an der oberen Spitze. Die Küste Richtung Dubai, also in den Westen führt zum nördlichsten Punkt, Musandam. Das ist da, wo die Straße von Hormuz liegt, wo von wir derzeit recht viel in den Nachrichten hören… Unterhalb dieser Küste am Golf von Oman liegt das Dschabal Schams Gebirge. Und unter diesem Gebierge die Wüste Wahiba Sands. Im Gebirge selbst findet man die tollsten Forts. Das Gebirge läuft östlich direkt ins Meer und bildet hier die spektakulärsten Wadis, also Flussbetten, die teilweise ganzjährig Wasser führen.
Und ganz unten im Süden liegt Salalah. Dazwischen liegen rund 1.000km Wüste. Aber nicht die schöne Wüste mit Sanddünen, sondern langweilige, steinige, Schotterwüste. Ich kann das bestätigen, weil natürlich sind wir da runter gefahren. Und wieder hoch. An der Küste entlang. Schön, aber nicht immer komfortabel. An der Küste sind Unterkünfte dünn gesät, wir zelten. Ich zelte sehr gern und im Oman ist wildcampend überall erlaubt. Allerdings ist es an der Küste sehr viel wärmer als in der dahinter liegenden Wüste - was für starken Wind in der Nacht sorgt! Ein Zelt raschelt also durchgehend. Außerdem geht die Sonne schon um 5 unter, um 6 ist es dunkel, um 4 beginnt das Zwielicht, also sollte man bereits um 3 einen Schlafplatz suchen… Die Zeit, in der man fahren kann, essen gehen kann und erkunden kann ist also entsprechend verkürzt. Auf sandigem Boden hält das Zelt auch nicht so sonderlich gut, was es irgendwie unentspannt macht, sollte man noch eine kurze Runde wandern gehen wollen und das Zelt alleine zurück lassen muss.
Aber schön ist es in Oman!
Wir starten in Muskat, bzw. in Seeb. Da wir den Nachtflug gewählt haben, der in 6h über Nacht nach Muskat fliegt, sind wir total gerädert. Man schläft ja doch nur etwa 2h - wenn überhaupt. Das hat man mal recht gut weg gesteckt, so ne durchgemachte Nacht. Steck ich jetzt nicht mehr so einfach weg. Ich schlafe gefühlt die nächsten drei Tage nach 10 Minuten Fahrt im Auto auf dem Beifahrersitz ein. Also schieben wir zumindest schonmal das Schnorcheln auf den Daymaniyat Inseln nach hinten - haben ja genug Zeit!
Muskat
Muskat hat eine schöne Promenade, tolle Moscheen und den alten Mutrah Suq. Wir kucken uns alles halbherzig und übermüdet an. Aber wir sind ja lange genug da und am Ende sowieso nochmal hier. Also kein Stress!
Gebirge
Wir wollen von Muskat aus so lange an der Küste Richtung Westen fahren, bis es uns genügt. Es genügt uns ziemlich zügig. Die Küste lädt weder zum Sonnenbaden noch zum Meeresplanschen ein. Frauen müssen voll und Männer halb bekleidet sein. Der Strand wird entsprechend nicht zum baden genutzt sondern lediglich zum flanieren am Abend und fischen am Tag.
Wir entscheiden uns also direkt durchs Gebirge zu fahren. Heute ist Mittwoch. Wir nächtigen eine Nacht in den Bergen und machen uns am Donnerstag auf nach Nizwa, denn hier gibt es Freitagmorgen den bekannten Viehmarkt.
Das Gebirge kann man von Muskat aus über die Schnellstraße durchqueren oder - vorausgesetzt man hat einen Allradantrieb - über die schlängeligen Bergstraßen. Wir fahren von Muladdah über Rustaq zu unserer Unterkunft Tilal Alqtara im Dschabal Schams Gebirge und genießen die Aussicht, den Pool und die Ruhe - wir sind die einzigen Gäste und bekommen ein kostenloses Upgrade! Der Pool ist nachts beheizt und die Ziegen stehen den ganzen Tag verteilt auf den umliegenden Bergen und unterhalten sich unentwegt. Mit einem Abstecher in Misfah al Abriyyin geht es dann am nächsten Tag nach Nizwa.
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Nizwa
Das Fort in Nizwa zählt als das am besten Instand gesetzte mit den meisten Requisiten und der schönsten Altstadt drum herum. Da scheinbar alle Forts irgendwie gleich aussehen, beschränken wir uns zunächst auf dieses - sollten wir nochmal Lust auf ein Fort haben, dann sind wir ja lange genug da… Noch am Abend gehen wir rein, genießen die blaue Stunde und traditionell hergestelltes Brot.
Der Viehmarkt am Freitag beginnt früh und ist gut besucht. Nicht nur Einheimische tummeln sich hier, auch etliche Touristen sitzen mittendrin, das Handy permanent gezückt um Fotos und Videos zu machen. Wir drehen eine Runde, ich streichle ein paar Ziegen, darunter mini kleine Babyziegen und dann gehts nochmal ins Fort - bei Tageslicht. Wir dürfen sogar die Tickets vom Vortag nochmal nutzen. Vorteil: die meisten sind noch am Viehmarkt beschäftigt, das Fort ist entsprechend etwas leerer…
Von Nizwa aus kann man gut Tagesausflüge planen. Wir fahren ins Gebirge hoch aufs Plateau. Innerhalb kurzer Zeit erreicht man 2.350 m Höhe.
Nizwa selbst hat einen wunderschönen Souq (traditionellen Markt) ganz in der Nähe vom Fort. Wir übernachten in einem Hotel vor der Stadtmauer, gegenüber der Moschee, neu, modern, ganz hübsch - aber noch keine Rezeption. Sobald man an der Moschee vorbei durch die Stadtmauer geht befindet man sich in der Altstadt; in der rechten Ecke befindet sich das Fort, in der linken der Markt und dahinter die Stadt mit ihren kleinen Unterkünften, Cafés und Restaurants.
Die Stadtmauer wird derzeit restauriert, man kann aber einen großen Teil begehen; abends zahlt man Eintritt (2€ oder so ähnlich, also nicht viel), tagsüber ist es kostenfrei. Über die Stadtmauer kommt man auch zu einer kleinen Oase in der man ruhigere Cafe´s und Restaurants entdeckt. Im Rest von Nizwa tummelt sich das Leben, überall ist was los, einheimische und Touristen gleichermaßen sind hier unterwegs.
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Wahiba Sands
Nach drei Tagen Nizwa haben wir das Gefühl, wir wollen Ruhe. Also ab in die Wüste!
Wir buchen zwei Nächte im Desert Wonders Camp. Unsere Unterkunft fragt uns, ob wir abgeholt werden müssen oder ob wir ein Allradauto haben. Wir haben Allrad und fahren selbst. Abgeholt werden wir trotzdem, aber kostenlos: es gibt einen Meetingpoint ab dem wir unserem Host hinterher fahren werden. Die “Straße” ins Camp ist ziemlich sandig und hügelig und super schön!
Unser Camp ist ebenfalls schön und das Zelt wunderschön! Für den Abend haben wir direkt die Wüstentour gebucht. Er sagt, es dauert 30 Minuten, kostet pro Person 30€. Es dauert 2 Stunden. Und nach einer Stunde ist es so kalt, dass ein T-Shirt für mich schon wirklich zu wenig ist… Er fährt mit uns zu den Kamelen, die ich füttern darf - Babykamel inklusive! Dann gibts ein paar Dünenfahrten und am Ende einen Spaziergang, Sonnenuntergang und Lagerfeuer. Wundervoll. Wirklich. Aber kalt.
Den Tag genießen wir - im Schatten. Morgens und Abends kann man die Dünen erklimmen, sieht jede Menge Kamel-Köttel und ein paar einzelne Kamele herumstreunern. Und man sieht Sand!
Am Abend findet sich ein weiteres Paar ein - vom Tegernsee! Wie toll, wir genießen den gemeinsamen Abend beim Essen. Endlich mal Gesellschaft! Auch die Beiden freuen sich genau darüber: Gesellschaft. Bisher waren wir alle überall alleine… Andrea fragt uns, wie wir die Unterkünfte finden. So lala, antworten wir. Irgendwie sind sie im Vergleich zu den Lebenserhaltungskosten, sprich essen gehen und Souvenirs kaufen 🤭, ziemlich teuer. Das findet sie auch. Und wir erzählen von Südafrika, wo es nämlich spitzenmäßig war - möglicherweise haben wir hier das nächste Reiseziel der Beiden festgelegt…
Nach unserer zweiten Nacht haben wir ein Date, denn Freunde aus Deutschland sind auch hier! Wir treffen uns in Bidiya zum Café im Kafka Cafe.
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Wüstendurchquerung
Die Idee ist im Kopf: wir fahren nach Salalah. Nach gerade mal einer Woche haben wir hier oben ganz entspannt die Hälfte erledigt. Uns fehlen nur noch die Wadis und die Inseln. Erst alles abhaken und dann runter - oder gleich runter, jetzt wo wir ja schon recht weit unten sind? Ja, gleich runter.
Die erste Nacht an der Küste ist auch unsere erste Nacht im Zelt. Bei Ultra Wind! Also wir finden das runter fahren jetzt schon nicht mehr gut. Aufgeben, wo wir noch garnicht angefangen haben? Nein, geht natürlich auch nicht.
Es gibt mehrere Möglichkeiten nach Salalah zu fahren: Schnellstraße von Nizwa aus über Hayma, eine befestigte Straße von Sinaw Richtung Küste, die gestrichelte Linie durch Wahiba Sands - eigentlich keine wirkliche Option, denn die darf man nur im Konvoi fahren, alles andere ist Lebensmüde - und die Küstenstraße, bedeutend länger und weiter. Nach unserer schrecklichen Nacht im Zelt fahren wir völlig gerädert an der Küste bis kurz vor den White Sugar Dunes, auf die ich im Moment überhaupt keine Lust habe, und entschieden uns ab hier für die Schnellstraße über Hayma. 6 Stunden später sind wir in Salalah. So gehts eigentlich.
Salalah
Oman ist bekannt für den Weihrauch. Den ganz originalen Weihrauch. Hier kommt er her, aus Salalah.
Die Fahrt über die Schnellstraße ist fürchterlich langweilig. Sie wird in erster Linie von LKW genutzt, die für die Versorgung zuständig sind. Es gibt ein paar kleine Orte, aber wir finden nichts nennenswertes darüber und brettern einfach durch. Die Wüste links und rechts ist keine schöne Sanddünenwüste, sondern einfach Schotter. So weit das Auge reicht. Ein Highlight: Kamele kreuzen die Autobahn. Einfach so, ohne Vorwarnung. Der Verkehr bleibt also für kurze Zeit stehen, lässt die Karawane passieren und fährt unbeirrt weiter. Ich kucke ihnen natürlich noch so lange hinterher, bis wir auch weiterfahren müssen…
Wir kaufen Weihrauch. Allerdings in einem Shop, mit Zertifikat und allem drum und dran. In mir löst dieses Generve auf dem Markt nämlich in erster Linie eins aus: Misstrauen. Es gibt in Oman den original Weihrauch, der echt teuer sein kann, aber es gibt eben auch den günstigen und billigen aus dem Sudan zum Beispiel. Der teuerste kostet schnell zu 200,- € pro Kilogramm.
Der Preis des Weihrauchs orientiert sich an der Reinheit des geernteten Harzes und dem Alter des Baumes.
Je grüner der Weihrauch erscheint, desto reiner und umso teurer.
Auf dem Weg zurück kommt man am Strand direkt an zwei Weihrauchbäumen vorbei und kann sich hier selbst ausprobieren. Wir nehmen ein bisschen Rinde und Harz mit und verstehen direkt, wie schwierig es ist, große Klumpen zu bekommen ohne den Baum-”dreck” mitzunehmen.
Das Meer ist super, man kann recht weit reingehen und weiter draußen auch schwimmen.
Am nördlichen Ende von Salalah gibt es einen Weihnachtsmarkt, mit Buden und Kunstschnee. Das Animationsprogramm für die Kinder führt deutsche und italienische Lieder, die sie alle mit singen können und am Ende gibt es eine - recht freizügige - “Feuershow” ohne Feuer, dafür mit LEDs…
Im Nachhinein betrachtet hätten wir noch mindestens eine, wenn nicht sogar zwei Nächte mehr dran hängen sollen, aber wir sind nach drei Nächten weitergezogen. Ziel: an der Küste entlang bis zu den White Sugar Dunes und dann zu den Wadis, nochmal nach Nizwa für die Töpfereien (wenn ich sie wirklich sonst nirgends mehr finde) und zu den Inseln.
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Die Küste
Wir machen uns morgens auf den Weg und planen einen kleinen Ausflug im Wadi Darbat ein. Kamele überall!
Zwischen Salalah und Hasik an der Küste liegt eine Gebirgskette. Hier ist es schön! Hier kann man die Buchten genießen, Kamele sehen und bestimmt wandern! Aber wir fahren in einem durch - und sind später von der wieder langweilig werdenden Küstenstraße etwas enttäuscht.
Unser erster Übernachtungsspot liegt in einer Bucht vor Hasik und ist ein Traum! Da wir sonst immer und überall einkehren konnten um zu essen, Rohkost im Supermarkt echt teuer ist, denken wir garnicht daran uns mehr als Datteln und ein paar Chips zuzulegen um so einen Abend schön ausklingen zu lassen… Nicht so clever. Denn ab jetzt sind Restaurants dünn gesät. In der Regel findet man welche an den Tankstellen. So auch in Hasik.
Für eine Nacht im Zelt muss man mehrere Dinge im Hinterkopf behalten: Die Sonne steht um 4 Uhr schon sehr tief, um 5 ist sie weg und um 6 ist es zappenduster. Hunger hab ich eigentlich erst um 7. Wind kommt auf um 8. Wind kommt auf, weil es an der Küste warm ist, aber in der dahinterliegenden (Schotter)wüste kalt. Eiskalt. Wenn es so windig ist, will man das Zelt nicht mehr alleine lassen. Also entweder man isst vorher gemeinsam gemütlich im Restaurant und fährt dann zum Zeltplatz, den man wiederrum davor ausfindig gemacht haben müsste, denn so von der Straße aus sieht vieles geeignet aus, was sich dann als suboptimal herausstellt. Zum Beispiel, weil alles voll Kamelköttel ist oder es ist uneben oder mit doch sehr vielen Steinen… Oder man baut das Zelt auf, einer fährt essen holen und der andere hält Wache. Wir essen lieber gemeinsam.
Unser Zeltplatz vor Hasik ist auch deswegen so traumhaft, weil hinter ihm keine Wüste liegt, sondern Berge. Wir stehen also im Windschatten!
So viel Glück haben wir in den folgenden Nächten nicht mehr.
Die Krönung setzt unser Platz an den White Sugar Dunes auf. Hier sind wir in großer Gesellschaft. Das Meer ist enttäuschend! Das Wasser grün, der Strand vermüllt, die Dünen obendrein als Toilette der Wildcamper genutzt. Pfui.
Wir haben also die Schnauze voll vom Zelten. Drei Nächte hintereinander und ich will heiß duschen, denn nachts ist es echt kühl so mit dem Wind. Wir buchen eine Nacht in der Sea Breeze Lodge. So viel vorne weg: heiß duschen gibts nicht, die Wassertanks auf dem Dach, auf das den ganzen Tag die Sonne knallt, sind wohl einfach nicht gefüllt. Und Strom? Den gibt es von 8 bis 10 am Abend, also nachts. Warum? Ja, weil wir nur “solar power” haben. Ok… Also, solar power gibts für mich tagsüber. Und es erscheint mir hirnverbrannt, dann am Abend für zwei Stunden den Dieselgenerator anzuschmeißen.
Ich bin genervt.
Für unsere letzten zehn Tage will ich also vorplanen. Und ich stelle fest, dass wir auf einmal nicht mehr überall alleine sein werden. Die Touristen sind ins Land eingefallen, die erste Januar Woche scheint absolute Hauptsaison zu sein. Unterkünfte sind ausgebucht oder nur noch zu bestimmten und sehr wenigen Nächten verfügbar. Das passt mir ja garnicht in den Kram. Also buchen wir jetzt die wichtigsten Sachen vor und planen drum herum. Suboptimal. Aber das hat man davon, wenn man “alles ganz spontan” haben will.
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Wüstenbuggytour
Da die gewünschte Unterkunft bei Wadi Shaab ausgebucht ist, fahren wir nochmal nach Bidiya bei Wahiba Sands.
Und wenn wir schon nochmal da sind, wollen wir auch nochmal in die Wüste. Aber wir buchen nicht wieder ein Wüstencamp, sondern eine ganz normale Unterkunft - leider direkt an der Schnellstraße. So ganz glücklich bin ich mit unserer Wahl der letzten Unterkünfte also wirklich nicht…
Hier verbringen wir Silvester - von dem man rein garnichts mitbekommt. Wir fahren für ein schönes Abendessen nach Sur, aber sind schnell müde und stoßen zu zweit im Hotelzimmer an. Mit Wasser natürlich. Und unserem neuen Lieblingsgetränk: Minzlimonade.
Ab in die Wüste geht es diesmal mit Fox-Tours, hier buchen wir eine einstündige Buggytour ganz simpel über WhatsApp. Wir nehmen den mit weniger Leistung, das reicht uns. Wir sind insgesamt drei Paare, die diese Tour machen und das Pärchen mit dem stärkeren Motor buddelt sich direkt nach der ersten Düne komplett in Sand ein. Eine riesige Sandfontäne links und rechts sieht von außen spektakulär aus, hat den beiden aber ganz sicher wenig Freude bereitet.
Eine halbe Stunde pesen wir in eine Richtung. Ich bin mit filmen beschäftigt und obwohl ich unbedingt selber auch fahren will scheint mir eine halbe Stunde zurück in dem Moment doch zu viel… Für die letzten 3 Minuten lasse ich die Drohne uns verfolgen und bin wieder beschäftigt mit anderen Dingen als fahren. Aber für die aller letzten 30 Sekunden sitze ich am Steuer und fahre den Buggy zurück zu seinem Parkplatz.
Wadi Bani Khalid
Wir machen einen Ausflug ins Wadi Bani Khalid. Natürlich schaffen wir es nicht auf 8 dort zu sein sondern erst um 11 - und drehen nach nur sehr kurzer Überlegung direkt wieder um. Die Touristen werden Busseweise hier her gekarrt und erreichen das Wadi um genau 11 Uhr um dann in Scharen vor zu wandern. Keine Lust.
Wir erinnern uns an unser Treffen mit unseren Freunden aus Deutschland, die ähnlich wie wir einfach keine Frühaufsteher sind, schon garnicht im Urlaub. Sie sind um zwei gekommen, denn dann sind alle wieder weg. Also fahren wir wieder und kommen um zwei zurück. Tatsächlich, die Busse fahren wieder ab. Also rein ins Wadi.
Der Eintritt ist kostenlos, der Weg entspannt, betoniert, am Wasser entlang. Am Ende kann man in eine Höhle. Ein paar Jungs zeigen mit der Taschenlampe den Weg zum Wasserlauf, der hier durch fließt. Man kann es sehen, aber man kann kaum atmen. Der Sauerstoff ist rar hier drin. Wir gehen wieder raus.
Wollen wir ins Wasser? Ja auf jeden Fall! Jetzt? Hm, ne, irgendwie nicht… so viele Leute, so viel aufgewühlter Dreck. Wir reißen uns zusammen und nehmen uns am nächsten Tag ein frühes aufstehen vor - und sind dann tatsächlich um 8 am Wadi eine der ersten.
Das Wasser ist warm! Es kommt aus heißen quellen, kühlt im Fels nicht ab und gleicht Badewannentemperatur. Herrlich! Wir packen alles in unseren Wasserrucksack und schwimmen bis vorne hin. Wickeln uns dort in Handtücher und verlassen pünktlich um 11 das Wadi, das wieder von Touristenmassen überrannt wird.
Wadi Shaab und Wadi Tiwi
Wir buchen eine Nacht im Wadi Shab View. Absolute Empfehlung! Die Unterkunft liegt mit Balkon genau am Eingang des Wadi Shaab, der Name ist also Programm. So kann man ganz früh morgens direkt rein. Ab 7 sind die Bootstege betrieben, von hier aus wird man rüber gebracht und kann die Wanderung beginnen. Der Besitzer der Unterkunft kommt mit, allerdings erfahren wir das erst hinterher - er startet um 7, wir erst um 8. Zusammen mit einem anderen Pärchen aus unserer Unterkunft.
Die Wanderung ist einem Spaziergang gleichzusetzen. Im Winter ist der Wasserstand nicht recht hoch, aber dennoch schön anzuschauen. Am Ende der Wanderung geht es ab ins Wasser. Von hier aus schwimmt man weiter. Das Wasser ist kalt, aber super sauber. Das Highlight ist eine Felsdurchqueerung bei der man sich tatsächlich mutig am Fels entlanghangeln muss, denn der Kopf passt gerade so durch, eine kleine Verengung am unteren Ende sorgt dafür, dass man hier den Hals strecken muss, denn für den Kopf ist das zu eng… Angekommen bzw. durchgekommen befindet man sich in einer kleinen Höhle in der ein Wasserfall hinunterrauscht - den man natürlich hochklettern kann! Oben angekommen gibt es weitere Pools, aber kein weiteres durchkommen. Ab jetzt gehts also wieder zurück.
Wir haben für alles so lange gebraucht, dass jetzt auch die Touri-massen angekommen sind. In der Felsspalte entsteht also Durchlassverkehr und Stau. Zeit zu gehen. Wir schwimmen zurück.
Auf dem Weg von der Wüste zum Wadi Shaab kommen wir am Wadi Tiwi vorbei und beschließen kurzerhand noch hoch zu fahren. Der Weg nach oben ist nicht ohne, aber natürlich machbar. Vor allem mit Auto inkl. Bodenfreiheit kein Problem.
Ich lese am Abend zuvor einen Blog in dem eine Amerikanerin beschreibt, dass sie einen Guide genommen hat - man bräuchte keinen, schreibt sie, aber ohne Guide wäre sie niemals den Fels heruntergeklettert an dem ein Seil hängt. Pff, denk ich mir, typisch Ami, mehr Drama machen als nötig.
Wir fahren hoch, fahren fast bis zum Ende, werden auf dem Weg von einigen aufgehalten, die uns weiß machen wollen, hier gehts nicht weiter, wir brauchen einen Guide. Ignorieren. Es geht weiter. Es geht so weit bis Google einen Punkt markiert, der sich Wadi Tiwi Parking Place nennt (hier kann man auch umdrehen wenn nötig), kurz danach kommt ein Punkt namens “Tiwi up” und gleich daneben steht “Wadi Mibam” - der zweite Name des gleichen Wadis.
Wir parken und schließen uns einem deutschen Pärchen an. Die beiden sind genervt, denn sie haben sich von einem anderen Paar überzeugen lassen, dass der Weg nach oben nicht machbar ist und sich einen Guide genommen - für die Fahr nach oben, die dann eben doch nicht so unmachbar ist wie prophezeit. Der Guide zeigt ihnen (uns) wo hin wir gehen sollen, alle anderen wimmeln wir ab - und verlaufen uns trotzdem. Aber am Ende schaffen wir es und stehen am oberen Ende des Wadis auf einem Fels. Rechts von uns ein Wasserfall, links von uns weitere Felsen und weit unten der Wasserlauf des Wadis. Robert rutscht direkt aus und schlittert einen Meter weiter unkontrolliert nach unten. Und ich stehe dann da und betrachte das Seil und denke mir: im Leben kletter´ ich nicht an diesem Seil da runter!
Natürlich klettern wir doch beide am Ende runter. Leicht panisch, weil rutschig, aber ohne Schaden gemeistert. Das Wasser ist eiskalt! Die Sonne, die einen wärmen könnte schon weg, denn es ist bereits halb vier Uhr nachmittags. Wir schwimmen ein Stück und genießen diese grüne Schlucht, von der es heruntertropft, Farne wachsen am gesamten Felsen und versetzen einen in eine ganz andere Welt! Gestern noch Sandwüste, heute Jungle. Das ist Oman.
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Daymaniyat Inseln
Wir buchen eine Vormittagstour. Vormittags deswegen, weil es nachmittags immer windig wird. Und abends super windig. Bei Wind ist es kalt und wenn man vom schnorcheln aufs Boot zurück kommt ist man nass. Schlechte Kombi.
Abholung ist in Seeb am Hafen. Auf dem Boot lauter Italiener. Wie überall um den Jahreswechsel herum. Ganz Italien scheint nach Oman zu reisen!
Die Bootsfahrt dauert ne gute Stunde. Wir sind die ersten an den Inseln und auch wenn das Wasser kalt ist soll ich schnell rein und mich beeilen, denn die anderen sind schon im Anmarsch und teilweise bereits am ankern.
Schildkröten sieht man schon vom Boot aus regelmäßig zum Luft holen an der Oberfläche. Unser Guide sagt, sie sind immer “im Pack” unterwegs. Und das waren sie auch! Unzählige Schildkröten tummeln sich auf dem Meeresboden. Die blauen Dori-Fische klauen ihnen das abgenagte Seegras aus dem Maul und insgesamt wirkt es wie eine organisierte Mäh-Truppe. Da wo du frisst, ist es sicher leckerer als da wo ich grad bin, lass mal probieren!
Wir landen auch an auf den Inseln selbst, dürfen drüber spazieren und bekommen einen Tip, wo wir nochmal Schildkröten sehen können. Wirklich toll.
Auf dem Boot gibt es Wassermelone, Snacks und Getränke. Und dann gehts auch schon wieder zurück, aber es reicht auch. Das Wasser ist kalt und Schildkröten hat man wirklich genug gesehen - auch wenn ich vorher denke, es kann garnicht genug sein! Kollision gab es auch eine, die mir sicher mehr weh tat als ihr - sie war nur kurz irritiert und hat sich gedacht “kuck halt, blöde Nuss”
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Oh man…
In jedem Blogpost über den Oman sieht man Drohnenbilder. Da die Monate vor unserem Reisemonat bei mir jedes Jahr vollgestopft mit Aufträgen sind, kommen wir nicht dazu richtig zu planen. Macht ja nix, haben ja genug Zeit… haha.
Die Drohne kommt ins Handgepäck. Am Flughafen in Muskat wird man damit rausgezogen und zu einem Schalter gebracht. Oh no, ich hätte mich registrieren lassen müssen. Aber ich bin nicht die einzige, die hier steht. Ein weiterer deutscher hat sich zwar registriert, aber die Seriennummer der Drohne falsch abgetippt. Weitere Touristen aus Italien und aller Welt haben, wie ich, gedacht, dass die DJI mini mit ihren 249g als Spielzeug gilt, so wie sonst überall auf der Welt. Hier nicht.
Während ich also den Registrierungsprozess durchlaufe, holt Robert unseren Mietwagen. Er freut sich, wir bekommen ein Upgrade. Ich erfahre, dass ich die Drohne wahrscheinlich trotzdem erst in zwei Tagen holen kann, denn ich brauche das Zertifikat und das dauert und ausgedruckt muss es auch sein. Ein Italiener entscheidet sich, seine Drohne einfach da zu lassen und beim Abflug zu holen, denn er ist nur 10 Tage in Oman. Ich durchlaufe mit dem W-lan des Airports den Registrierungsprozess - bekomme direkt im Anschluss tatsächlich das Zertifikat, zahle dafür erstmal 70€ und dann nochmal 25€ für… keine Ahnung ehrlich gesagt, ich glaube fürs ausdrucken und gleich mitgeben. Egal.
Man darf im Oman überall wildcampen und es gibt zahlreiche Campingspots, die sogar auf Google eingetragen sind. Aber für eine Nacht im Zelt muss man mehrere Dinge im Hinterkopf behalten: Die Sonne steht um 4 Uhr schon sehr tief, um 5 ist sie weg und um 6 ist es zappenduster. In der Wüste ist es nachts eiskalt, es kühlt runter auf 7°C und auch wenn es an der Küste viel wärmer ist, beginnt hier der Wind um 7 zu fegen, um 8 wird’s gerne mal recht heftig. Der Boden ist häufig steinig und nicht selten voll mit Kamelköttel. Wenn es weich und sandig ist, wird’s mit dem Auto schwierig so weit rein zu fahren, dass es als Windschatten dienen könnte…
Etwas, das wir nicht getestet haben: Im oberen Bereich an der Küste gibt es fest angelegte Campingplätze. Manche davon sehen schick aus, bringen windtechnisch aber rein garnichts. Andere sind gemauert mit einem Eingang an der Seite und einem 1m hohen Mäuerchen drum rum - das könnte windfrei sein! Man sieht sie von der Straße aus, sie sind sechseckig.
Man kann in Oman sehr gut in Bistros essen gehen, hier wird man zu zweit für ~10 € satt, im Lokal gibt man ~20-30 € zu zweit aus und hat wirklich gut gegessen. Eine Nacht in einem Hotel ohne Schnickschnack kostet ~80€ und lässt meist Wünsche offen. Manchmal hat man für diesen Preis nicht mal warmes Wasser oder Strom. Das Verhältnis irritiert.
Obst und auch Gemüse sind im Supermarkt äußerst teuer. Äpfel kommen aus Frankreich. Ich will trotzdem immer mal wieder welche haben, aber tatsächlich sind die heimischen Restaurants damit überraschend günstig.
Strandurlaub ist nur in Salalah entspannt. An den restlichen Buchten ist es entweder so vermüllt, dass man nicht mag oder die Strömung so stark, dass man nicht kann. Oder es gibt Menschen, sodass man nicht darf.
Omanis lernen wir selten kennen. Eigentlich nur in den hochwertigeren Hotels. Oder auf der Straße beim Umdrehen.
Omanis sind sehr hilfsbereit! Wirklich sehr. Wenn man bspw. auf der Straße mittendrin umdreht, wird man sofort angehalten und gefragt ob man Hilfe braucht - und man wird geholfen, egal was man antwortet.
In Oman wird man nicht beklaut und auch nicht übers Ohr gehauen. Wirklich nie. Wahrscheinlich noch nicht mal in Salalah beim Weihrauch kaufen.
Als wir im Wadi Tiwi den Fels runterklettern bleibt unser Rucksack samt Kamera, die ich vorher ja noch in der Hand hatte und ganz offensichtlich in diesen Rucksack gepackt hatte, einfach oben liegen. Und liegt da auch noch als wir zurück kommen.

