Palmen & Weihrauch in Salalah

Die Idee ist im Kopf: wir fahren nach Salalah. Nach gerade mal einer Woche haben wir hier oben ganz entspannt die Hälfte erledigt. Uns fehlen nur noch die Wadis und die Inseln. Erst alles abhaken und dann runter - oder gleich runter, jetzt wo wir ja schon recht weit unten sind? Ja, gleich runter. Nicht, dass wir noch eine Reifenpanne haben und unseren Rückflug nicht erwischen oder sonst irgendwas…

Irgendwas an dieser Entscheidung hat Stress in mir aufkommen lassen. Wir müssen auch rechtzeitig wieder hier sein um noch ganz entspannt den Rest zu erledigen! Oh je. Ich will Stress rausnehmen und wir nehmen uns vor an der Küste so weit zu fahren, wie wir gut finden - wenn es nicht Salalah wird, ist es ja nicht schlimm.
Die erste Nacht an der Küste ist auch unsere erste Nacht im Zelt. Bei Ultra Wind! Also wir finden das runter fahren jetzt schon nicht mehr gut. Aufgeben, wo wir noch garnicht angefangen haben? Nein, geht natürlich auch nicht.

Es gibt mehrere Möglichkeiten nach Salalah zu fahren: Schnellstraße von Nizwa aus über Hayma, eine befestigte Straße von Sinaw Richtung Küste, die gestrichelte Linie durch Wahiba Sands - eigentlich keine wirkliche Option, denn die darf man nur im Konvoi fahren, alles andere ist Lebensmüde - und die Küstenstraße, bedeutend länger und weiter. Nach unserer schrecklichen Nacht im Zelt fahren wir völlig gerädert an der Küste bis kurz vor den White Sugar Dunes, auf die ich im Moment überhaupt keine Lust habe, und entschieden uns ab hier für die Schnellstraße über Hayma. 6 Stunden später sind wir in Salalah. So gehts eigentlich.

Salalah

Oman ist bekannt für den Weihrauch. Den ganz originalen Weihrauch. Hier kommt er her, aus Salalah.

Die Fahrt über die Schnellstraße ist fürchterlich langweilig. Sie wird in erster Linie von LKW genutzt, die für die Versorgung zuständig sind. Es gibt ein paar kleine Orte, aber wir finden nichts nennenswertes darüber und brettern einfach durch. Die Wüste links und rechts ist keine schöne Sanddünenwüste, sondern einfach Schotter. So weit das Auge reicht. Ein Highlight: Kamele kreuzen die Autobahn. Einfach so, ohne Vorwarnung. Der Verkehr bleibt also für kurze Zeit stehen, lässt die Karawane passieren und fährt unbeirrt weiter. Ich kucke ihnen natürlich noch so lange hinterher, bis wir auch weiterfahren müssen…

Das letzte Stück ist wunderschön. Man fährt eine steile Passstraße runter zum Meer, an den Feldern für Weihrauch vorbei.

In Salalah angekommen fallen die Obst und Gemüse Stände auf. Eine ganze Straße voll mit Grünzeug, von vorne bis hinten: das gleiche. Und dahinter Bananenstauden.

Die Stadt selbst ist urhässlich.
Der Strand ist schön, dahinter liegen entweder große Hotels, zu unserer Zeit verlassene (aber offene) Cafés und Baustellen, Ruinen, heruntergekommene Bauten, Schutt, Absperrungen.
Wir nächtigen im Beach Resort Salalah günstig und total ok und spazieren gleich mal am Strand entlang bis zum Souq. Von dem erwarte ich viel. Ich erwarte genauso entspannt durchlaufen zu können, wie in Nizwa (nein), ich erwarte hier Weihrauch kaufen zu können (ja) und alles was dazugehört, denn das hab ich in Nizwa nicht gekauft, denn, wir haben ja noch so lange Zeit. Und irgendwie dachte ich, es gibt dort sicherlich alles noch ausführlicher, mehr Variation, schöner, anders, besser - weil das eben DIE Gegend für Weihrauch ist. Also, auch hier: nein. Keine Töpferware, keine geflochtenen Körbchen zur Aufbewahrung. Nur Weihrauch und den üblichen Krempel wie Schals und T-Shirts, die man auch in Thailand kaufen kann, nur eben mit Kamelen statt Elefanten drauf. Und aufdringliche Verkäufer und (vor allem) Verkäuferinnen. Oh, wie schnell ich da genervt bin und wieder weg will!

Wir kaufen Weihrauch. Allerdings in einem Shop, mit Zertifikat und allem drum und dran. In mir löst dieses Generve auf dem Markt nämlich in erster Linie eins aus: Misstrauen. Es gibt in Oman den original Weihrauch, der echt teuer sein kann, aber es gibt eben auch den günstigen und billigen aus dem Sudan zum Beispiel. Der teuerste kostet schnell zu 200,- € pro Kilogramm.

Der Preis des Weihrauchs orientiert sich an der Reinheit des geernteten Harzes und dem Alter des Baumes.
Je grüner der Weihrauch erscheint, desto reiner und umso teurer.

Auf dem Weg zurück kommt man am Strand direkt an zwei Weihrauchbäumen vorbei und kann sich hier selbst ausprobieren. Wir nehmen ein bisschen Rinde und Harz mit und verstehen direkt, wie schwierig es ist, große Klumpen zu bekommen ohne den Baum-”dreck” mitzunehmen.

Insgesamt inspiriert es mich aber in keinster Weise hier viel Zeit zu verbringen und Dinge zu kaufen oder mir anzuschauen. Wenn ich von der ersten Sekunde an genervt werde, ist es einfach nicht entspannt.
Der nächste Tag wird also ein Tag am Strand.
In Badeklamotten darf man sich nur direkt vor dem Hotel aufhalten; ein Spaziergang kann also teure Strafen nach sich ziehen. Einige riskieren es jedoch trotzdem. Mir fallen die vielen Autos auf, die den Umweg nehmen von der größeren Straße hinter den Hotels auf die kleine, sandbedeckte Straße zwischen Hotel und Strand selbst. Grundsätzlich fahren alle immer mit dem Auto direkt ans Wasser, aber hier wird der Umweg unseretwegen gemacht scheint mir. Um zu kucken. Stört mich nur geringfügig, aber nervt ein bisschen.
Das Wasser ist super, man kann recht weit reingehen und weiter draußen auch schwimmen.
Am nördlichen Ende von Salalah gibt es einen Weihnachtsmarkt, mit Buden und Kunstschnee. Das Animationsprogramm für die Kinder führt deutsche und italienische Lieder, die sie alle mit singen können und am Ende gibt es eine - recht freizügige - “Feuershow” ohne Feuer, dafür mit LEDs…
Aber mir wird dann doch bald langweilig. Und ich will in die Wadis im Norden. Die hier im Süden sind zu dieser Jahreszeit nämlich nix, angeblich.

Im Nachhinein betrachtet hätten wir noch mindestens eine, wenn nicht sogar zwei Nächte mehr dran hängen sollen, aber wir sind nach drei Nächten weitergezogen. Ziel: an der Küste entlang bis zu den White Sugar Dunes und dann zu den Wadis, nochmal nach Nizwa für die Töpfereien (wenn ich sie wirklich sonst nirgends mehr finde) und zu den Inseln.

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Omans Küste

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Dünenmeer in Wahiba Sands