Ton & Ziegen in Nizwa
Im Oman befindet sich fast alles sehenswerte im Norden. Im Nordosten liegt Muskat an der oberen Spitze. Die Küste Richtung Dubai, also in den Westen führt zum nördlichsten Punkt, Musandam. Das ist da, wo die Straße von Hormuz liegt, wo von wir derzeit recht viel in den Nachrichten hören… Unterhalb dieser Küste am Golf von Oman liegt das Dschabal Schams Gebirge. Und unter diesem Gebierge die Wüste Wahiba Sands. Im Gebirge selbst findet man die tollsten Forts. Das Gebirge läuft östlich direkt ins Meer und bildet hier die spektakulärsten Wadis, also Flussbetten, die teilweise ganzjährig Wasser führen.
Nizwa
Das Fort in Nizwa zählt als das am besten Instand gesetzte mit den meisten Requisiten und der schönsten Altstadt drum herum. Da scheinbar alle Forts irgendwie gleich aussehen, beschränken wir uns zunächst auf dieses - sollten wir nochmal Lust auf ein Fort haben, dann sind wir ja lange genug da… Noch am Abend gehen wir rein, genießen die blaue Stunde und traditionell hergestelltes Brot.
Der Viehmarkt am Freitag beginnt früh und ist gut besucht. Nicht nur Einheimische tummeln sich hier, auch etliche Touristen sitzen mittendrin, das Handy permanent gezückt um Fotos und Videos zu machen. Wir drehen eine Runde, ich streichle ein paar Ziegen, darunter mini kleine Babyziegen und dann gehts nochmal ins Fort - bei Tageslicht. Wir dürfen sogar die Tickets vom Vortag nochmal nutzen. Vorteil: die meisten sind noch am Viehmarkt beschäftigt, das Fort ist entsprechend etwas leerer…
Von Nizwa aus kann man gut Tagesausflüge planen. Wir fahren ins Gebirge hoch aufs Plateau. Innerhalb kurzer Zeit erreicht man 2.350 m Höhe. Eigentlich wären wir dort auch gern essen gegangen, aber an der Einfahrt zum dortigen Hotel wird uns die Zufahrt verweigert, weil wir keine Gäste sind. Macht nichts. Man kommt eh für die Aussicht hier hoch! Die bei uns etwa 5 Meter weit reicht, denn es hängen dicke Nebelschwaden hier drin… Macht auch nichts, man kann ja trotzdem ein wenig spazieren gehen…? Vom Auto bis vor zur Klippe, einen Blick ins Wadi werfen und schnell wieder zurück ins Auto - kalt! Ok, also lieber wieder im warmen Auto bisschen durch die Gegend fahren.
Nizwa selbst hat einen wunderschönen Suq (traditionellen Markt) ganz in der Nähe vom Fort. Wir übernachten in einem Hotel vor der Stadtmauer, gegenüber der Moschee, neu, modern, ganz hübsch - aber noch keine Rezeption. Sobald man an der Moschee vorbei durch die Stadtmauer geht befindet man sich in der Altstadt; in der rechten Ecke befindet sich das Fort, in der linken der Markt und dahinter die Stadt mit ihren kleinen Unterkünften, Cafés und Restaurants.
Der Markt lässt sich ganz entspannt überqueren. Keiner nervt. Mein Traum! Ich kann alles anfassen und überlegen ob ich es will und ob mir ein Grund einfällt warum ich es brauche. Und wenn ich einen gefunden hab muss ich nur noch jemanden finden, bei dem ich es bezahlen kann. Preise stehen dran, sind nicht (oder nur schwer) verhandelbar. Wie wundervoll. Am Ende des Suqs befindet sich ein Laden, der Brandah Dates heißt - hier lässt es sich ebenfalls sehr entspannt und günstig shoppen.
Aber bei vielen Dingen denke ich mir: das geht nur im Auto kaputt und krieg ich auch noch wo anders. Und wenn nicht, wir sind ja lange genug hier, dann kommen wir halt nochmal.
Wir kamen nochmal. Nach unserer Wüstentour, unserem Abstecher in Salalah und unserer Fahrt an der Küste entlang auf der Suche nach guten Zeltplätzen, muss Robert mit mir noch einmal nach Nizwa. Töpferware, die man zum verbrennen von Weihrauch braucht zum Beispiel, bekommt man nämlich nur hier. Oder in Bahla, aber das passt uns nun nicht mehr in den Zeitplan.
Wir nächtigen beim zweiten mal innerhalb der Altstadt. Schön. Süß eingerichtet. Aber der Abfluss stinkt so bestialisch, dass man sich alles, was nicht unbedingt notwendig ist, verkneift - duschen zum Beispiel. Das kann warten.
Die Stadtmauer von Nizwa wird derzeit restauriert, man kann aber einen großen Teil begehen; abends zahlt man Eintritt (2€ oder so ähnlich, also nicht viel), tagsüber ist es kostenfrei. Über die Stadtmauer kommt man auch zu einer kleinen Oase in der man ruhigere Cafe´s und Restaurants entdeckt. Im Rest von Nizwa tummelt sich das Leben, überall ist was los, einheimische und Touristen gleichermaßen sind hier unterwegs.

