Ab in den OP

Für das TUM Klinikum Rechts der Isar fotografiere ich nicht nur regelmäßig die Mitarbeiterportraits. Ich darf auch ab und zu in den OP!

Zugegeben, das ist sicher nichts für jedermann. Aber ich kann gleich mal beruhigen: ich darf nichts anfassen und - um ganz ehrlich zu sein - seh ich noch nicht mal besonders viel. Zum einen sind die Schnitte mittlerweile wirklich klein (wenn möglich) und zum anderen beugen sich ja die Chirurgen drüber, nicht ich. Ich darf aber mit meiner Kamera ziemlich nah dran. Ich weiß aber auch ziemlich gut wo meine Grenze liegt. Die habe ich ausgereizt als ich damals mit den Tierärzten auf Kreta unterwegs war. Auch hier stand ich mit im OP, ebenfalls inklusive Kamera. Und da gabs keine Absaugung, die Gerüche entfernt bevor sie meine Nase erreichen. Die Räume waren nicht mal steril, wir waren häufig in Wohnzimmern und Küchen unterwegs und lediglich der OP-Tisch wurde keimfrei gehalten. Und als mich die Ines, Tierärztin darum bat, das Hundebein mal festzuhalten während sie es amputiert - DAS war meine Grenze! Ich habe keine Minute durchgehalten und hab dann angekündigt, dass ich evtl. noch eine weitere Minute schaffe, aber mehr nicht. Meine bleiche Nase hat sie dazu veranlasst mich einfach gleich rauszuschicken… Also für mich gilt: hingucken ja, anfassen nein.

Hier im TUM Klinikum fasse ich nichts an.

Ich war inzwischen schon bei einer OP dabei, bei der Krebs im Bauchraum entfernt wurde. Die Ärzte waren ziemlich entspannt bei ihrer Arbeit, wir wurden sogar aufgefordert fragen zu stellen. Aber beim Anblick der kleinen Greiferchen, die im Bauch des Patienten ordentlich am Darm ziehen und schieben um an die richtigen Stellen zu kommen, die dann mit einem weiteren Werkzeug weg gelasert werden, bekam ich ein schlechtes Gewissen. Wenn ich jetzt anfange zu fragen, hör ich so schnell nicht auf. Ich muss ja allein schon dabei anfangen herauszufinden wie man das schlechte vom guten Gewebe unterscheiden kann! Das dauert ewig, denk ich mir, und irgendwie ist so ein Darm nicht dafür gedacht, dass er wegen meiner Fragerei noch weiter malträtiert wird - kein Wunder, dass einem danach alles weh tut!
Ich frage bei einem anderen Termin, ohne OP, und erfahre: das mit der Unterscheidung ist jahrelange Übung.
Wir waren damals für das Klinikum in München und in Weilheim. Denn hier steht der selbe OP-Raum gespiegelt noch einmal. Das interessante dabei: wenn der Arzt in Weilheim, der nicht ganz so viel Übung hat, wie der in München, an seine Grenzen kommt, dann kann sich der Arzt in München dazu schalten - und von München aus weiteroperieren!

Zweimal war ich schon bei einer Hirn-OP dabei. Hier herrscht absolute Stille. Kaum einer spricht, es wird nur das nötigste gesagt.
Bei der ersten wurde dem Patienten ein Tumor entfernt. Das interessante hierbei ist die Arbeit davor. Der Kopf des Patienten wird am Tag vor der OP in einen Apparat eingespannt der dann misst, wo der Patient sein Sprachzentrum hat, sein Bewegungszentrum und all die wichtigen Dinge, die neu zu lernen sehr schwierig ist. Diese Areale sollen nicht angerührt oder gar verletzt werden. Man geht dann unter Umständen nicht auf direktem Weg zum Tumor, sondern auf Umwege um diese Areale herum. Denn wenn du danach nicht mehr weißt, was du gestern gegessen hast oder wie dein Jahresurlaub war, dann ist das nicht so wichtig, wie wenn du nicht mehr weißt, wie man spricht!
Bei der zweiten OP wurde einem jungen Patienten, der seit Jahren aufgrund eines Motorradunfalls querschnittsgelähmt ist eine Computer-Hirn-Schnittstelle eingesetzt. Diese Schnittstelle soll Menschen dazu befähigen, kraft der Gedanken, die vom Hirn in den Computer wandern und übersetzt werden um wieder mehr am Leben teilhaben zu können.
Wer hierüber mehr erfahren will, der schaut sich am Besten die Beiträge von Prof. Dr. Bernhard Meyer auf LinkedIn an; hier findet man sehr viele Beiträge zu dieser Technologie und seiner Forschung dazu - und immer mit meinen Bildern!


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