Statistik in der Forschung
Das mit den Statistiken ist ja so eine Sache.
📊 In Statistiken zu gefährlichen Ländern, zum Beispiel, findet Südafrika immer wieder Platz in den oberen Rängen und trotzdem ist es das Land, das ich am häufigsten als Reiseziel empfehle, denn es ist wunderschön! Und wusstest du, dass es eine 📊 Untersuchung darüber gab, ob Riesenschlangen in Südostasien, z. B. in Bangladesch, Menschen fressen?
Das Ergebnis lautet: nein.
Warum nicht? Weil der Mensch zu knochig ist, die Verdauung dadurch zu lange dauern würde und die gewonnene Energie zu gering wäre.
Dass der menschliche Körper zu knochig ist, merkt die Schlange allerdings erst, wenn sie ihn schon zerdrückt hat - was 📊 statistisch gesehen wohl in den meisten Fallen zum Tod führt und die Frage aufwirft, ob es dann noch sonderlich interessant ist, ob sie einen frisst oder nicht...
Ich wurde auf meiner fast 3-monatigen Reise 2011 durch Bangladesch zwar von keiner Riesenschlange angegriffen, dafür durfte ich auf meinem Sitz im Bus im Lonely Planet eine interessante Anekdote übers dortige Busfahren lesen:
📊 Statistisch gesehen ist es wahrscheinlicher bei einem Verkehrsunfall in Bangladesch umzukommen als bei einem Selbstmordversuch.
Zwar habe ich die Busreisen vor Ort überstanden. Eine Reise in dieses Land empfehle ich trotzdem eher selten, hab ich mir doch eine Salmonellenvergiftung eingefangen, die 📊 statistisch häufig vorkommende Begleiterscheinungen mit sich zog und wenig Begeisterung hervorrief...
Inferenzstatistik
Ich hab also letzten Sommer der Statistik eine Chance gegeben, sich mir näher zu erklären.
Genau genommen, der Inferenzstatistik.
Und ich war in der Prüfung am Ende garnicht schlecht.
Inferenzstatistik ist das, wo berechnet wird, wie wahrscheinlich es ist, dass man diese Daten, die man da grad erhoben hat, erhoben hätte, wenn in der gesamten Bevölkerung, die einen ja interessiert, die man aber nicht vollständig befragen kann, eigentlich ganz andere Daten vorliegen würden, hätte man alle befragen können. 🤓
Also: Wir haben eine Stichprobe, das heißt, ein paar Menschen befragt. Diese Menschen sollten aus der uns interessierenden Bevölkerung stammen. Wir brauchen nicht Chinesen befragen, wenn wir wissen wollen wie Spanier ihr Bildungssystem beurteilen. Soweit klar oder?
Dann ergab diese Befragung einen Effekt. Effekt heißt, es kam was bei rum. Das kann sein, dass alle befragten die gleiche Sache gut finden. Das kann sein, dass das eine bei den meisten das andere hervorruft. Das kann sein, dass man herausgefunden hat, dass wenn die Menschen so sind, dann reagieren sie in einer bestimmten Situation genau anders, als Menschen, die nicht so sind.
Zum Beispiel, kommt raus, dass die Münchner es doof finden, dass der Kindergarten jetzt Geld kostet. Ein Effekt. In einer bestimmten Größe. Zum Beispiel 75% der Befragten finden das doof, 20% finden es mäßig gut und dem Rest ist es höchstens egal.
Aber was, wenn wir mit unserer Befragung genau diese paar Menschen befragt haben, die das doof finden und eigentlich finden es alle anderen total super?!
Das berechnet die Inferenzstatistik. Mathematisch. Das wird hergeleitet.
Irgendwie kompliziert. Ich habs aber irgendwie kapiert.
Es hat gereicht im Modul 2 Statistik an der FernUniversität in Hagen eine 1,7 zu erreichen.
Das ist voll ok würd ich sagen. 😇 Das bedeutet ich hatte
So ein Befragungs-Ergebnis stellt sich dann als signifikant heraus, wenn die Inferenzstatistik mathematisch hergeleitet sagt: die Wahrscheinlichkeit, dass wir diese Daten erhalten obwohl kein Effekt vorliegt, liegt bei 0.001%
Zum Beispiel.
Dann könnte man sagen: ja, es finden wohl tatsächlich alle doof. 🥸
Mein größtes Learning dabei und GANZ WICHTIG:
Die, die die Daten erheben und viele Zahlen mit vielen *** (für signifikant) rausgeben, sind nicht die, die einen Artikel für die Zeitung schreiben.
Und oft wird „signifikant“ verwechselt mit „total krass und absolut belegt“ - denn es heißt nur, dass der Effekt, so wie er vorliegt, wahrscheinlich auch in der Bevölkerung vorliegt. Er kann auch gegen Null gehen und trotzdem signifikant sein…
🤓
Also: Ganz klar… trau keiner Statistik - deren Quelle du nicht kennst ;)
Forschung
Was heißt das jetzt für mich?
Ich mag es sehr Events zu fotografieren. Und noch lieber komme ich für neue Portraits. Am liebsten komm ich und mach nicht nur die Portraits, sondern auch neue Bilder für die Webseite.
Aber am allerliebsten komm ich ins Forschungslabor oder zu Feldexperimenten dazu und erstelle Bilder von Forschung!
Dann hab ich bei Event- und Portrait-Shootings auch immer wieder was neues zu erzählen, weil ich lern ja jedesmal was - und meistens ist es auch so weit, dass man was erzählen darf. Manchmal ist es auch erstmal noch unter Verschluss, dann muss man mit dem erzählen halt warten. Aber insgesamt ist es immer super interessant!
Jetzt weiß ich, wie Forschungsergebnisse erhoben werden. Wie die Daten ausgewertet werden. Wie die Ergebnisse zu beurteilen sind.
Das wird von mir zwar nicht verlangt, hilft aber.
Trotzdem werd ich naiv da stehen und fragen “was macht ihr da?” - denn mein Job ist ja am Ende Bilder zu erstellen, die gut genutzt werden können. Auf denen man sieht um was es geht und was das besondere ist…
Methangasmessungen im Fluss?
Ein Mäuseknie in Scheibchen?
Betonbrückenelemente gedruckt?
Herzerkrankungen bei Säuglingen beobachten?
Computerhirnschnittstelle implantieren?
Bilder sollen ansprechend sein - für diejenigen, die forschen und für diejenigen, die nur darüber lesen wollen. Sonst erfüllen sie ihren Zweck nicht. Wenn ich kommen soll um Bilder zu erstellen, dann will man ja ZEIGEN an was man forscht, man will darüber erzählen was man rausgefunden hat, man will erklären können was das bedeutet. Das darf genau so professionell aussehen, wie es stattgefunden hat.
Und das ist meine Aufgabe. Ich erstelle Bilder von Forschung so, dass sie stimmen und den Betrachter ansprechen. Denn Bilder wecken Aufmerksamkeit und mit Aufmerksamkeit liest sich ein Beitrag viel eher. So lassen sich Forschungsergebnisse auch viel leichter näher bringen. Man erreicht viel mehr. Die Sponsoren sehen ihre Instrumente in gutem Licht. Die Forscher sehen sich selbst bei der Arbeit und gefallen sich. Leser verstehen sofort um was es geht, Interesse wird geweckt, kompliziertes wird gezeigt , unvorstellbares wird bebildert.
Und… Kinder sehen Bilder davon wer forscht und wie forschen aussieht. Das ist mir ein besonderes anliegen, denn ganz oft stehen da ganz diverse Menschen. Ob Mann oder Frau, ob aus Deutschland, Polen oder Afrika, ob jung oder alt - sie forschen, sind klug und finden neues heraus. Wir zeigen mit solchen Bildern: das kannst du auch.
Im Winter las ich ganz viel zum Thema Sozialpsychologie und im Moment les ich ganz viel zum Thema Entwicklungspsychologie - passt ganz gut dazu und erweitert meinen Anspruch nur noch mehr! Denn Bilder prägen unsere Auffassung der Welt um uns herum. Da können wir dran arbeiten! Wir können dafür sorgen, dass Kinder mit neuen Role Models aufwachsen, dass sie neue, andere Stereotype bilden, als die, die uns nun jahrhunderte lang begleitet haben, die uns weiß machen, dass nur der “alte, weiße Mann” was weiß. Der weiß auch viel, aber eben nicht nur der. Und eben auch nicht jeder von denen.
Ihr braucht Bilder von eurer Forschung? Und es klingt ganz gut, wenn die Fotografin an viele Aspekte denkt..? Dann klingelt mal durch, wir können jederzeit einfach mal darüber sprechen, was ihr so brauchen könntet. Und wenn ich weiß, ich lern was, dann bin ich umso begieriger dabei!

