Omans Wadis

Omans spektakulärste Wadis liegen unterhalb Muskats am Meer. Das Gebirge führt nämlich direkt ins Meer und formt hier die schönen, tiefen Schluchten. Die drei bekanntesten sind das Wadi Bani Khalid oberhalb Bidiyas, das Wadi Shaab und das Wadi Tiwi, die beide sehr nah beieinander liegen. Wir besuchen alle drei.

Wadi Bani Khalid

Natürlich schaffen wir es nicht auf 8 dort zu sein sondern erst um 11 - und drehen nach nur sehr kurzer Überlegung direkt wieder um. Die Touristen werden Busseweise hier her gekarrt und erreichen das Wadi um genau 11 Uhr um dann in Scharen vor zu wandern. Keine Lust. Wir erinnern uns an unser Treffen in Bidiya mit unseren Freunden aus Deutschland, die ähnlich wie wir einfach keine Frühaufsteher sind, schon garnicht im Urlaub. Sie sind um vier gekommen, denn dann sind alle wieder weg. Also fahren wir wieder, machen eine Rundtour in der Gegend…

…und kommen um vier zurück. Tatsächlich, die Busse fahren wieder ab. Also rein ins Wadi!

Der Eintritt ist kostenlos, der Weg entspannt, betoniert, am Wasser entlang. Es wird gerade noch weiter betoniert, am Eingangsbereich ist eine Baustelle.
Am Ende kann man in eine Höhle. Ein paar Jungs zeigen mit der Taschenlampe den Weg zum Wasserlauf, der hier durch fließt. Man kann es sehen, aber man kann kaum atmen. Der Sauerstoff ist rar hier drin. Wir gehen wieder raus.
Wollen wir ins Wasser? Ja auf jeden Fall! Jetzt? Hm, ne, irgendwie nicht… so viele Leute, so viel aufgewühlter Dreck. Wir reißen uns zusammen und nehmen uns am nächsten Tag ein frühes aufstehen vor - und sind dann tatsächlich um 8 am Wadi eine der ersten!
Das Wasser ist warm! Es kommt aus heißen quellen, kühlt im Fels nicht ab und gleicht Badewannentemperatur. Herrlich! Wir packen alles in unseren Wasserrucksack und schwimmen bis vorne hin. Wickeln uns dort in Handtücher und verlassen pünktlich um 11 das Wadi, das wieder von Touristenmassen überrannt wird.
Die Esel stehen zwischen Eingang und Parkplatz und sind - am späten Nachmittag auch ziemlich verschmust!

Wadi Tiwi

Auf dem Weg von der Wüste zum Wadi Shaab kommen wir am Wadi Tiwi vorbei und beschließen kurzerhand noch hoch zu fahren. Der Weg nach oben ist nicht ohne, aber natürlich machbar. Vor allem mit Auto inkl. Bodenfreiheit kein Problem.
Ich lese am Abend zuvor einen Blog in dem eine Amerikanerin beschreibt, dass sie einen Guide genommen hat - man bräuchte keinen, schreibt sie, aber ohne Guide wäre sie niemals den Fels heruntergeklettert an dem ein Seil hängt. Pff, denk ich mir, typisch Ami, mehr Drama machen als nötig.
Wir fahren hoch, fahren fast bis zum Ende, werden auf dem Weg von einigen aufgehalten, die uns weiß machen wollen, hier gehts nicht weiter, wir brauchen einen Guide. Ignorieren. Es geht weiter. Es geht so weit bis Google einen Punkt markiert, der sich Wadi Tiwi Parking Place nennt (hier kann man auch umdrehen wenn nötig), kurz danach kommt ein Punkt namens “Tiwi up” und gleich daneben steht “Wadi Mibam” - der zweite Name des gleichen Wadis.
Wir parken und schließen uns einem deutschen Pärchen an. Die beiden sind genervt, denn sie haben sich von einem anderen Paar überzeugen lassen, dass der Weg nach oben nicht machbar ist und sich einen Guide genommen - für die Fahr nach oben, die dann eben doch nicht so unmachbar ist wie prophezeit. Der Guide zeigt ihnen (uns) wo hin wir gehen sollen, alle anderen wimmeln wir ab - und verlaufen uns trotzdem. Aber am Ende schaffen wir es und stehen am oberen Ende des Wadis auf einem Fels. Rechts von uns ein Wasserfall, links von uns weitere Felsen und weit unten der Wasserlauf des Wadis. Robert rutscht direkt aus und schlittert einen Meter weiter unkontrolliert nach unten. Und ich stehe dann da und betrachte das Seil und denke mir: im Leben kletter´ ich nicht an diesem Seil da runter!
Natürlich klettern wir doch beide am Ende runter. Leicht panisch, weil rutschig, aber ohne Schaden gemeistert. Das Wasser ist eiskalt! Die Sonne, die einen wärmen könnte schon weg, denn es ist bereits halb vier Uhr nachmittags. Wir schwimmen ein Stück und genießen diese grüne Schlucht, von der es heruntertropft, Farne wachsen am gesamten Felsen und versetzen einen in eine ganz andere Welt! Gestern noch Sandwüste, heute Jungle. Das ist Oman.

Meine Kamera bleibt übrigens nach dem Bild vom Wasserfall und dem Felsen gut verstaut im Rücksack - der auf dem Felsen bleibt. Wir klettern nur mit unserem kleinen Osmo Pocket in seiner Unterwasserhülle runter, bzw. werfe ich ihn Robert zu… In Oman hatte ich nie das Gefühl man könnte mich beklauen. Die Kamera war natürlich noch an Ort und Stelle als wir wieder hochkletterten.

Wadi Shaab

Wir buchen eine Nacht im Wadi Shab View. Absolute Empfehlung! Die Unterkunft liegt mit Balkon genau am Eingang des Wadi Shaab, der Name ist also Programm. So kann man ganz früh morgens direkt rein. Ab 7 sind die Bootstege betrieben, von hier aus wird man rüber gebracht und kann die Wanderung beginnen. Der Besitzer der Unterkunft kommt mit, allerdings erfahren wir das erst hinterher - er startet um 7, wir erst um 8, zusammen mit einem anderen Pärchen aus unserer Unterkunft.
Die Fährfahrt dauert etwa 40 Sekunden und kostet p.P. 2€.
Die Wanderung ist einem Spaziergang gleichzusetzen. Im Winter ist der Wasserstand nicht recht hoch, aber dennoch schön anzuschauen. Am Ende der Wanderung geht es ab ins Wasser. Von hier aus schwimmt man weiter.
Das Wasser ist kalt, aber super sauber. Das Highlight ist eine Felsdurchqueerung bei der man sich tatsächlich mutig am Fels entlanghangeln muss, denn der Kopf passt gerade so durch, eine kleine Verengung am unteren Ende sorgt dafür, dass man hier den Hals strecken muss, denn für den Kopf ist das zu eng… Angekommen bzw. durchgekommen befindet man sich in einer kleinen Höhle in der ein Wasserfall hinunterrauscht - den man natürlich hochklettern kann! Oben angekommen gibt es weitere Pools, aber kein weiteres durchkommen. Ab jetzt gehts also wieder zurück.
Wir haben für alles so lange gebraucht, dass jetzt auch die Touri-massen angekommen sind. In der Felsspalte entsteht also Durchlassverkehr und Stau. Zeit zu gehen. Wir schwimmen zurück.

Auf dem Bild mit dem Kletterseil sieht man den Durchgang übrigens. Schöne Bilder gibt es leider nicht, mir war super kalt und die Kamera musste natürlich zurückbleiben…

Auf dem Rückweg fühlen sich die beiden Männer dazu berufen, sich nocheinmal abzukühlen. Sie springen. Nach reichlicher Überlegung. Nicht, weil man sich an diesem Felsen da im Wasser verletzen könnte - das Wasser ist so klar, dass man ganz genau sehen kann wo man hin springen sollte und wo nicht. Der Fels ist fast 3 Meter tief im Wasser. Aber wie kommt man danach wieder raus? Sie finden einen weg und springen - unter großem Applaus der umstehenden Passanten, die natürlich alle ihren Senf dazu geben. Die deutschen Stimmen voller Zweifel. Natürlich. German Angst ;)

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Omans Küste