Die Mitarbeiter als Models?

Klar, erscheint im ersten Moment ja auch wie die einfachste Lösung. Man spart sich schließlich ein paar Model-Gagen und nicht zu vergessen die Auswahl der Models, das Casting, die Verpflegung und so weiter. Die eigenen Mitarbeit sind eh da.

Aber spart man sich wirklich viel?

1) Die Mitarbeiter sind ungeübt. Sie wissen nicht, wie sie sich vor der Kamera bewegen sollen, wie sie kucken sollen, was sie anziehen sollen. Puh, ganz schön viel, was sie nicht wissen. Aber woher auch?

2) Sie haben Befindlichkeiten. Nicht von der Seite, bitte mehr von oben, und “oh nein, ich seh immer so schlimm aus auf Fotos” sind nur die üblichsten Übeltäter.

…das kostet uns alles Zeit, denn ich muss das auffangen indem ich auf Befindlichkeiten eingehe und indem ich Anweisungen so gebe, dass sie sie umsetzen können und sich gleichzeitig trotzdem wohl fühlen, denn…

3) Das größte Problem ist: sie fühlen sich nie so richtig wohl vor der Kamera, eben weil sie ungeübt sind. Und das bedeutet auch, dass wir nicht stundenlang mit den selben Mitarbeitern fotografieren können. Nach 2h ist spätestens die Luft raus.

Wir haben also einen großen Verschleiß, wir brauchen nicht nur 2-3 Leute um richtig viel zu schaffen, sondern eher 10. Und diese 10 muss man erstmal finden.

4) Nicht jeder will fotografiert werden. Ihr müsst erstmal genug Personen rekrutieren, die sich bereit erklären auf die Fotos zu kommen.

5) Wenn nun jemand wegen Krankheit ausfällt, kommt so schnell kein Ersatz. Bei einer Modelagentur wird im Handumdrehen ein ähnliches Model geschickt.

Warum also auf eigene Mitarbeiter setzen?!

Ganz einfach: weil die Vorteile überwiegen!

Glasklar: sie sind schließlich schonmal da und ihr spart euch die Model-Gage - aber das ist nicht mein Hauptgrund, denn den fressen die Nachteile auf. Aber…

Wir finden immer genug, manchmal sogar noch am Tag selbst. Es lohnt sich vorab rumzufragen, wer denn bereit wäre, denn dann hat man schonmal jemanden zum anfangen. Im besten Fall der Kollege/die Kollegin, die eh mit allen gut kann und sichtlich Freude hat - das ist ansteckend und motiviert umstehende ebenfalls mitzumachen!

Für den Wohlfühlfaktor vor der Kamera bin ich zuständig. Und das kann ich ganz gut. Ich achte bei jedem auf die Haare, auf den Schmuck, die Klamotten, die Haltung und den Ausdruck. Jeder soll sich am Ende gefallen und darauf sollen sie sich schon beim Shooting verlassen können. So fühlt man sich gut aufgehoben und es fällt einem direkt leichter!

Befindlichkeiten muss man sich nur zu nennen trauen - dann lassen sie sich auch eliminieren. Und das traut man sich, wenn man merkt, dass die Fotografin ja ganz nett ist eigentlich und einem nix tut.

Sie mögen keine Übung vor der Kamera haben, dafür hab ich Übung hinter der Kamera. Es darf echt aussehen am Ende, sonst könnte man auch Models engagieren oder es direkt von KI generieren lassen. Damit verliert man - und das war schon immer so, ob mit Models oder KI - aber jegliche Glaubwürdigkeit.

Denn was passiert, wenn die eigenen Mitarbeiter auf den Bildern zu sehen sind?
Sie sind echt! Sie wissen, wie der Arbeitsalltag aussieht, wie man sich über den Plan beugt, über Dokumente grübelt, am Schaltkasten steht, das Werkzeug hält, die Maschinen bedient. Sie wissen es einfach.
Sie sehen so aus, wie jemand aussieht, der das beruflich macht - denn das machen sie. Sie machen das beruflich, was wir gerade fotografieren wollen.
Sie erkennen sich und ihre Kollegen wieder. Das stärkt den Zusammenhalt und die Identifikation mit eurem Unternehmen.
Auch der Chef darf mitmachen und sich nahbar zeigen.

Wo hilft das?

Hab ich den Zusammenhalt schon erwähnt? Die Identifikation mit dem Unternehmen? Das ganze Shooting kann wie ein kleines Teamevent gesehen werden. Wir haben Spaß, denn den hab ich immer bei solchen Shootings - und die anderen auch. Und es kommen tolle Bilder bei raus! Die könnt ihr nicht nur für die Webseite nutzen, darüber freuen sich auch die Mitarbeiter, denn sie werden gut aussehen drauf.

Was noch? Ihr zeigt der Welt, wie die Arbeit bei euch aussieht. Ganz echt und ungekünstelt und trotzdem professionell. Weil, auch wenn die meisten Laien sind was Bilder angehet - ich bin es nicht.

Mitarbeiter fühlen sich gesehen. Nutzt so ein Shooting auch um mal herauszufinden, wo sich Arbeit gut anfühlt - sind die Tische optimal, die Stühle, die Ruhe-Ecken? Funktioniert alles so, wie es soll, haben wir Verbesserungsbedarf? Schmeckt der Café? Kommt ihr gerne?!

Außerdem zeigt es ihnen, dass sie das Unternehmen sind für das sie arbeiten und dass ihr stolz auf sie seid, darauf, dass ihr sie habt Wert legt.

Bewerber fühlen sich gut aufgehoben. Besonders Bilder, bei denen mit Azubis gesprochen und gearbeitet wird, zeigen Interessenten, dass sie bei euch nicht nur still daneben sitzen müssen, sondern wirklich was tun können.

Kunden sehen beim Termin Gesichter, die sie kennen. Das wirkt nahbar und viel authentischer, als alles andere.

Hab ich euch überzeugt? Dann können wir ja direkt in die Planung für so ein Mitarbeitershooting bei euch gehen!

Woran wir denken müssen: Freiwilligkeit steht ganz oben auf der Liste, niemand darf gezwungen werden, auch wenn er/sie optimal wäre aufgrund mitgebrachtem Know-How zum Beispiel. Aber dann gewinnen wir diese Person vielleicht als Berater am Set? Wir brauchen ebenfalls Verträge, die die Einwilligung festhalten. Sonst haben wir am Ende haufenweise tolle Bilder und dürfen sie doch nicht nutzen. Natürlich kann so ein Vertrag widerrufen werden, aber die Hürde ist dann doch etwas höher, als erstmal “ja” zu sagen und dann doch “nein” zu rufen. Also macht das schriftlich. Auch dran denken müssen wir an den Fall, dass jemand, der auf dem Bild ist, doch aus dem Unternehmen ausscheidet.




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