Aha Momente - auch für mich
Ich durfte dieses Jahr zum zweiten Mal beim WOW wie Wissenschaft Parcour der Hochschule München mitmachen.
Das heißt, zusammen mit Svenja steh ich an einem Stand, an dem es um Fotos geht. Svenja übernimmt dabei den Part des Redens und Erklärens - und ich des Doings. Es geht um die Bildsprache in der Wissenschaft, genau genommen, um gendergerechte Bildsprache.
Kein „alter, weißer, Mann“ der den jungen Mädels erklärt wo es langgeht.
Kein „junges Ding“ das sich ratlos von den umherstehenden Männern erklären lässt, wie ihr Berufsfeld funktioniert.
Wir kennen die Klischees.
Die größte Diskussion dabei?
-> wir wollen aber auch nicht lügen, und es sind nunmal mehr Männer in den Positionen derer, die erklären.
=> ja, aber wie soll sich das ändern?
Wir dürfen ruhig ein bisschen eingreifen. Nicht lügen, aber eine Realität schaffen, die wir in Zukunft sehen wollen. Und das können wir, in dem wir ein bisschen in diese Richtung schubsen.
Denn wo entsteht Realität?
In unseren Köpfen. Und zwar auch schon ganz früh, wenn wir noch im Kindergarten sind.
Wenn wir Plakate und Bilder in Zeitschriften anschauen ohne den Kontext zu begreifen, vielleicht, weil wir noch nicht mal lesen können - oder einfach nicht wollen (Teenie-alter, man erinnert sich).
Und wenn wir dort die Realität sehen, in der alte, weiße Männer den jungen Hüpfern erklären wo es lang geht, dann entsteht diese Realität in den Köpfen.
Wir reden also darüber, was Bildsprache macht, wie Bilder Realitäten schaffen, wie sie sich in unsere Köpfe brennt und unsere eigene Realität formt. Und das wir das ruhig beeinflussen dürfen (müssen) um eine Realität zu schaffen, die wir in Zukunft sehen wollen.
Und wenn wir soweit sind, probieren wir das aus. Wir fotografieren.
Ich schau in die Runde und mach es wie immer, ich stell Fragen: „Was macht ihr denn so in eurer Arbeit? Wie sieht das aus?“
→ Wir sitzen da und diskutieren Forschungsartikel, lesen Pläne, oder schauen in den Computer…
Ok, kein Computer da, kein großer Plan da, aber Blatt Papier - lasst uns so tun, als wäre das ein neues Paper, ein interessanter Forschungsartikel, setzt euch mal hin und besprecht das…
Was passiert?
Männer nehmen ganz unbewusst Raum ein,
eine, meist beide Hände liegen sichtbar auf dem Tisch,
ein Arm liegt VOR dem Blatt.
Und Frauen? Frauen haben ihre Hände sichtbar unter dem Tisch, fahren sich durch die Haare oder falten ihre Hände und legen sie vor sich. Sie machen sich klein und schmal und verdecken mit ihren Händen ihren Oberkörper.
Das passiert, obwohl wir vorher über Bildsprache gesprochen haben.
Unbewusst.
AHA. 😅
Ändern wir das, sieht das Bild gleich viel gleichberechtigter aus, oder?
Könnt ihr hier sagen, wer mehr Ahnung vom Fach hat und wer wem was erklärt?
Wir müssen nicht lügen. Aber wir können Räume schaffen für Gleichberechtigung. Denn wenn auf einmal nur Frauen den Männern die Welt erklären, wäre das ja auch nicht gleich. Stimmts?

